Schokolade, süß-bitter


Mit sanfter Musik, weichem Licht und großen staunenden Kinderaugen, die bewundernd auf Osterhasen, Weihnachtsmänner oder Pralinen aus feinster Schokolade gerichtet sind, beeindruckt uns die Werbung der großen Schokoladenkonzerne alljährlich aufs Neue.
Der Kurs „Praktische Philosophie“ der Jahrgangsstufe 8 hat sich in den vergangenen Wochen mit den oftmals doch ganz anderen Realitäten der Schokoladenherstellung beschäftigt. Dabei wurde deutlich, dass der Genuss von Schokolade eine sehr lange Tradition in weiten Bereichen menschlicher Zivilisation darstellt. Die wichtigsten Anbaugebiete des Kakaobaums in Südamerika und Westafrika und die oftmals die Umwelt zerstörenden Anbaumethoden wurden ebenso kennengelernt wie mögliche Alternativen zu den großen, den Boden auslaugenden Monokulturen.

Am erschreckendsten war jedoch die Erkenntnis, dass Schokoladengenuss auch heute noch kaum ohne verbotene Kinderarbeit und moderne Sklaverei möglich ist. Häufig helfen Kinder eben nicht nur auf den elterlichen Kakao-Plantagen mit, anstatt in die Schule zu gehen und sich durch bessere Bildung bessere Berufs- und Lebensbedingungen zu ermöglichen: Immer wieder werden Kinder auch von ihren Eltern verkauft oder von modernen Sklavenfängern entführt und müssen unter bedrückenden Verhältnissen auf großen Plantagen arbeiten, obwohl dies auch in den betroffenen Staaten gesetzlich verboten ist.
Diese erschreckende Erkenntnis nutzen die SchülerInnen des Kurses, um sich mit unterschiedlichen Gerechtigkeitskonzepten intensiv auseinanderzusetzen, etwa mit dem Gleichheitsprinzip, nach dem bei Verteilungsproblemen jeder das Gleiche bekommt, oder dem Bedürfnisprinzip, dem zufolge jeder das bekommt, was er zur Befriedigung seiner – unterschiedlichen großen – Bedürfnisse benötigt. Auch das Leistungsprinzip, welches besagt, dass jeder entsprechend seiner Leistung „belohnt“ wird, wurde von den SchülerInnen ausführlich diskutiert.
Ein weiterer Themenbereich, der von den SchülerInnen erarbeitet wurde, sind die seit 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention kodifizierten Kinderrechte, die z.B. festlegen, dass alle öffentlichen und privaten Einrichtungen sich vordringlich am Wohl der Kinder zu orientieren haben und dass allen Kindern einige uneingeschränkte Schutzrechte zukommen, z.B. der Schutz vor Trennung von den Eltern gegen den Willen des Kindes und der Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung. Das Kinderrecht auf (schulische) Bildung erschien vielen SchülerInnen hier in einem völlig neuen Licht.

Zum Abschluss des Unterrichtsprojekts stand ein Besuch im Kölner Schokoladenmuseum auf dem Programm. Hier konnten die SchülerInnen zahlreiche Aspekte der „Schokoladenkultur“ in konzentrierter Form anschauen: So konnten sie sehen, dass in früheren Zeiten der Genuss von Schokolade während der Fastenzeit erlaubt war, was das Fasten sicherlich sehr erleichtert hat, und sie konnten lernen, dass Schokolade auch als Medizin gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt wurde. Einen Einblick in die industrielle Schokoladenproduktion gewährte eine „gläserne Produktionsstraße“, in der kleine Schokoladentafeln vollständig automatisiert, ohne das Zutun menschlicher Arbeiter hergestellt wurden. Zur Freude der SchülerInnen konnte die dort produzierte Schokolade von den Besuchern verköstigt werden.



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