Theaterfest mit ”Dornröschen“ am Einstein


Einstein-Gymnasium: Auf hohem schauspielerischen, künstlerischen und tänzerischen Niveau präsentierte der Diff.-Kurs-9-Theater am 14.5.19 eine moderne Märchenfassung des Grimmschen Märchens nach Heiner Schnitzler in Zusammenarbeit mit ,,Kultur und Schule“.

Ein buntes Band schwenkend, schwebt Hil-Fee (Emma Weeske), die erste Fee, heran und klärt den großmäuligen Gemischtwarenhändler Seccuro (Nora Rüsenberg) über ihr Alter auf: “Zählt man die Zeit so wie ihr, bin ich schon 780 Jahre hier...“, worauf Seccuro versucht zu scherzen: “Mann, sooo jung bist du noch! Ich dagegen bin schon 2000 Jahre alt”. Aber Hil-Fee weiß es besser: “Du lügst. Du zählst erst 28 Jahre. Und hast noch 44 bis zur Bahre.” Auch ihre Schwestern Schla-Fee (Julia Wiemann), Har-Fee (Cassandra Schulz), Doo-Fee (Lena Weber), Toffi-Fee (Oliwia Lagiewczyk) und wie sie alle heißen, sind nicht auf den Mund gefallen und ohne sie würde die Prinzessin (Dilara Aydin) wohl heute noch auf ihren Prinzen (Laura Mika) warten!

Das mystische Auftreten der Feen in den von der Künstlerin Larissa Spenst in Zusammenarbeit mit den SchülerInnen kreierten fantasievollen Kostümen brachte in Kombination mit Windgeräuschen und chorischem Sprechen das gewünschte Gänsehautfeeling. Ja, das Publikum konnte den Alltag vergessen und in eine Märchenwelt eintauchen, die zwar durch die böse Fee Raikkssa (Joana Galetzka) bedrohlich war, aber in der das Gute auch durch die Hilfe von Kaf-Fee (Lilly Begemann), Af-Fee (Rana Gürer) und Gira-Fee (Tibelya Oezyavas) siegte. Gut und Böse gegeneinanderzustellen, gelang besonders gut durch die hervorragenden Kostüme. Die verspielte Tüllkranzkopfbedeckung in hellen Farbtönen der guten Fee kontrastierte extrem mit der ausladenden Pfauenfederkrone der bösen Raikkssa, die in Schwarz auftrat. Schauspielerisch genauso überzeugend wie der freche Händler Seccuro und Raikkssa waren die für humorvolle Einlagen zuständigen Rollen: Stubbelit, der Koch (Sophie Steppeler), Schlock, der Küchenjunge (Josephine Servatius), Solvizz, der Gärtner (Nelli Ryling) und Macko, der Wärter (Leonora Hoti). Dabei zeigte es sich, dass die weibliche Besetzung der Männerrollen durch schauspielerische Talente kein Problem war. Josephine als Küchenjunge war als Energiebündel und durch witzige Einfälle bestimmt einer der Publikumslieblinge. Das Sprechen mit vollem Mund beim genüsslichen Verspeisen der königlichen Weißwurst kam ebenso gut an wie pantomimisches Spiel, bei dem plötzlich reale Geräusche entstanden. Pantomimisch ergriff der Küchenjunge das nicht vorhandene Besteck des angeblich gedeckten Tisches und warf es in den Brunnen, wo es mit lautem Getöse landete, worüber er sich wunderte. Herrlich in Szene gesetzt! Aus dem Reich mussten schließlich alle spitzen Gegenstände entfernt werden, die Dornröschen hätten schaden können. Im Schauspieltalent mit großem Schimpfwortrepertoire stand Sophie als Koch dem Küchenjungen ebenbürtig zur Seite: „Piepshirn, Klapphirn, Wanze, Knopfhirn...”. Als jedoch Macko Schlock mit “Armleuchter” beleidigen will, bekommt er Kontra: “Hey, das ist mein Küchenjunge, den beleidige nur ich!”

Auch die philosophische Frage, ob man Glück kaufen könne, wird humorvoll behandelt. Unserer Kauf- und Wegwerfgesellschaft wird der Spiegel vorgehalten. Seccuro: „Nicht kaufen? Das Glück? Ein weitverbreiteter Irrtum! Kaufen macht glücklich! Man muss nur genug kaufen!” Und dann bietet der Händler seine schrottreifen Waren zu stattlichen Preisen an. Königin Matharita (Aleksandra Riehl) wirkte verständlicherweise wortkarg, als sie solche Geschenke zur Geburt von “Dornröschen” in Empfang nahm. König Waldegast II (Franziska Domke) ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Jedoch die Freude über Dornröschens Geburt brachte auch ihn zum Jubeln.

Eine farbenfrohe, gute Laune verbreitende Aufführung haben Frau Krüger und Frau Spenst auch mit Hilfe der Kinder aus der Dance Academy von Frau Gladbach und Herrn Crass auf die Bühne gezaubert. 16 Jahre und 100 Jahre Schlaf vergehen zu lassen, fiel den Schauspielern durch die Tanzeinlage mit perfekt geschminkten und in Tüllröckchen auftretenden Tänzerinnen nicht schwer. Das beständige „Tick-Tack“ und die gelungene Choreografie perfektionierten die Aufführung. Die Bemerkungen aus dem Publikum: “So tolle Bühnenbilder und künstlerische Arbeiten rund um das Stück”, freuten alle Beteiligten. Die Zusammenarbeit mit Kultur und Schule geht weiter, Frau Krüger und Frau Spenst möchten im kommenden Jahr gemeinsam mit dem jetzigen 8er-Diff.-Kurs Theater “Die Welle” von Morton Rhue inszenieren. Das Publikum darf sich wieder auf ein hohes Maß an Kreativität freuen.
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