Dear Canada…


„Was willst denn ausgerechnet du in Kanada? Da gibt es doch nur Bären und Schnee!“

Ja. In Kanada gibt es viele Bären und noch viel mehr Schnee, aber Kanada ist auch so viel mehr.

Die atemberaubende Landschaft, die unbeschreiblich freundlichen Menschen, die Sprache, der wunderschöne, zugegebenermaßen sehr kalte Winter und die unzähligen Snowboard Trips mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie und die auf über 2.000m vergossenen Freudentränen, weil wir so lange über irgendeinen dummen Witz lachen mussten. Aber auch die 38°C im Sommer, die wir am 10 Minuten Fußmarsch entfernten Strand verbracht haben und unsere nächtlichen Lagerfeuer, von Sonnenuntergang zu Sonnenaufgang, sowie die dort entstandene Idee, nachts bei ca 3°C Wassertemperatur schwimmen zu gehen, worauf hin wir fast alle erkältet waren, aber das war’s wert! Die beste Gastfamilie, die ich mir jemals hätte wünschen können, die großartigen Freunde, die ich dort gefunden habe und die Freundschaften, die sich jetzt über den ganzen Globus ziehen. UND AHORN SIRUP!


Dear Canada – Ein Liebesbrief an Kanada.
Es war nie für mich geplant nach Kanada zu gehen. Kanada war das Letzte, womit ich gerechnet hätte, als ich das erste Mal über ein Auslandsjahr nachgedacht habe. USA, England, Frankreich, vielleicht auch Australien, Neuseeland oder sogar Schweden? Alles, aber ganz sicher nicht Kanada.
Und doch bin ich irgendwie für 12 Monate in Kanada gelandet und es war die beste Zeit meines bisherigen Lebens, die beste Entscheidung die ich bisher getroffen habe. Ich habe so viel gesehen und gelernt in dieser Zeit.
Es war mir bewusst, dass ein Auslandaufenthalt einen großen Einfluss auf einen Menschen hat, aber es war mir nie klar, was für ein großer Einfluss das genau ist.
Kanada ist mein zweites Zuhause geworden, das mit so vielen unvergesslichen Momenten zusammenhängt und ein Zuhause, dass 7.714km entfernt, am anderen Ende der Welt ist.


Die Schule in Kanada wesentlich lockerer und individueller. Es gab Fächer, von denen ich zuvor nicht wusste, dass sie existieren. Ich habe mich munter durch das Angebot meiner Schule gewühlt und habe ein paar in mir schlummernde Qualitäten und Interessen gefunden. Die Fotographie ist eine davon geworden, genauso wie Audio Engineering oder meine Liebe zum Theaterspielen.
Mir war auch von Anfang an bewusst, dass ich das Jahr wiederholen muss, wenn ich wieder in Deutschland bin, wodurch ich sehr viele dieser „Fun-Classes“ hatte. Dementsprechend entspannt und spaßig war der Schulalltag auch. Ich konnte wirklich in den Dingen unterrichtet werden, auf die ich Lust hatte und hatte die Möglichkeit wirklich meine Interessen zu verfolgen oder zu erweitern. Pflichtkurse hatte ich nur einen: Englisch. Englisch war das einzige Fach, dass ich haben musste, sonst stand mir alles offen. Was ich, wie bereits gesagt, auch glücklich genutzt habe.

Ich war nie schlecht in Englisch, aber ich habe mich nie getraut tatsächlich zu reden und eine Fremdsprache wirklich zu benutzen. Während meiner Zeit in Kanada hat sich das deutlich gebessert, ich war in der Theatergruppe meiner Schule und habe in diversen Auftritten und auch einem Musical von Alice im Wunderland mitgespielt. Mir war immer schon bewusst, dass mir schauspielern viel Spaß macht, aber das hat das auf ein ganz neues Level gebracht. Mal auf einer Bühne stehen, mit 200 Menschen vor einem, ist doch eine andere Hausnummer!

Meine Gasteltern haben sich jeden einzelnen Auftritt von uns angesehen, sogar das Musical. Generell hätte ich mir keine bessere Gastfamilie wünschen können. Wir haben uns super gut miteinander verstanden und wir haben unglaublich viel miteinander unternommen. Insbesondere mit meinem Gastvater Zach habe ich ziemlich viel gemacht und teilweise war mein Gastbruder Maceo dabei. Wir sind snowboaren gefahren, haben ice hockey gespielt oder es in meinem Fall eher versucht, sind Kanu gefahren und noch so viel mehr. Über ein Wochenende sind wir auch „mal eben“ alle mit meiner Gastmutter Christy ins 7-8 Stunden entfernte Banff gefahren.

So ähnlich hat das beste Jahr meines Lebens auch aufgehört. Meine Eltern sind nach Kanada geflogen und wir sind nochmal durch Kanada gefahren und haben insgesamt ca 12 verschiedene Städte in 1,5 Monaten besucht. Auf diesem Trip sind noch einmal so viele tolle Erinnerungen entstanden und doch hat immer dieses bittersüße mitgeschwungen, dass diese Zeit fast vorbei ist.
Ich habe so viel in diesem Jahr erlebt, das wäre viel zu viel alles hier zu nennen und ich würde sicherlich etwas vergessen.
Dear Canada.
Thank you and I miss you.


Anna Wördemann
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